Bad Windsheim

Blick in die Baugruppe Mainfranken-Frankenhöhe

Das Freilandmuseum

Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim, mit Badhaus aus Wendelstein

Das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim, das sich in der Trägerschaft des Bezirks Mittelfranken befindet, wurde 1982 offiziell eröffnet. Heute beherbergt es auf seinem 45 Hektar großen Gelände über 140 historische Gebäude bzw. bauliche Anlagen aus verschiedenen Landschaften Frankens.

Das Museum dokumentiert so in sieben nach Regionen bzw. Themen angeordneten Baugruppen die Wohn- und Arbeitsverhältnisse der Menschen vom Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Die umfangreichen Dauerausstellungen in vielen der Gebäude werden ergänzt durch ein breites Veranstaltungsprogramm im Jahreslauf sowie wechselnde Sonderausstellungen. Diese zeigen oft Exponate aus der eigenen Sammlung, welche insgesamt rund 200.000 alltagsgeschichtliche Objekte umfasst.

Das spätmittelalterliche Badhaus aus Wendelstein

Im Spätmittelalter gab es in Franken ein dichtes Netz von öffentlichen Badstuben. Seit 2022 lädt im Freilandmuseum in der Baugruppe Mittelalter das Badhaus aus Wendelstein nahe Nürnberg zu einem Besuch ein. Beim Wiederaufbau wurde der bauzeitliche Zustand von 1450 angestrebt.

Im steinernen Erdgeschoss befand sich die eigentliche Badstube mit Schwitz- und Wannenbadbereich, Schürkammer und Umkleide. Im Fachwerkobergeschoss sowie dem teilweise ausgebauten Dachgeschoss waren insgesamt vier Wohneinheiten untergebracht. In einer der Wohnungen lebte der Bader mit seiner Familie, in den anderen Wohnungen weitere Beständner (Mieter).

Das Badhaus aus Wendelstein
Das Badhaus aus Wendelstein, Foto: FFM

Schwitzbaden, Schröpfen …

Die im Erdgeschoss rekonstruierte Badstube ist funktionsfähig, sodass zu den jedes Jahr im Herbst im Museum stattfindenden Mittelaltertagen der Badebetrieb durch Mitglieder von Living-History-Gruppen aufgenommen werden kann. Der Schwitzbadbereich wird dominiert von dem mächtigen Badeofen, in dessen Innerem Badsteine liegen, die an den einst mehrmals wöchentlich stattfindenden Badetagen erhitzt und zur Dampferzeugung mit Wasser übergossen wurden.

Die Badegäste saßen auf gestaffelten Holzbänken vor dem Ofen, also ganz ähnlich einer heutigen Sauna. Das Ausführen überflüssiger Körpersäfte galt nach dem damaligen medizinischen Verständnis der Viersäftelehre als gesundheitsfördernd. Viele Badegäste ließen sich daher beim Badstubenbesuch zugleich auch blutig schröpfen. Das ebenfalls angebotene Wannenbad in hölzernen Zubern war meist wesentlich teurer.

Schwitzbadbereich mit Badeofen, Foto: Frank Wittstadt /FFM
Schwitzbadbereich mit Badeofen, Foto: Frank Wittstadt/FFM

… und Kurieren

Eine ausführliche Dauerausstellung mit zahlreichen Medien- und Mitmachstationen informiert im Badhaus aus Wendelstein über die verschiedenen an einem Badetag angebotenen Dienstleistungen des Baders und auch die technischen Details der Öfen sowie der Wasserversorgung.

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt der Dauerausstellung vor allem im Obergeschoss ist ferner die große Bedeutung der Bader als Heiler und Wundärzte. Da es auf dem Land bis ins 19. Jahrhundert kaum akademisch gebildete Ärzte gab, wandten sich kranke Menschen häufig an einen der fast in jedem größeren Dorf ansässigen Bader. Diese waren keineswegs unwissende Stümper, sondern hatten eine mehrjährige handwerkliche Ausbildung durchlaufen.

Blick in die Dauerausstellung im Erdgeschoss des Badhauses, Foto: Susanne Grosser/FFM
Blick in die Dauerausstellung im Erdgeschoss des Badhauses, Foto: Susanne Grosser/FFM

Beitragsbild: Blick in die Baugruppe Mainfranken-Frankenhöhe, Foto: Ute Rauschenbach/FFM

FRÄNKISCHES FREILANDMUSEUM BAD WINDSHEIM

Eisweiherweg 1 | 91438 Bad Windsheim

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