„Kurbäder als Spiegel der Gesellschaft“

Neues zur Kurorteforschung

„Kurbäder als Spiegel der Gesellschaft der Neuzeit“

Im Juli 2024 hat das 42. Symposion des NÖ Instituts für Landeskunde in Baden stattgefunden. Nun ist der Tagungsband dazu erschienen, herausgegeben von Ulrike Fritsch, Martin Scheutz, Jacqueline Schindler und Ulrike Scholda.
Zum Inhalt: Kurorte werden häufig als Orte der Idylle und Ruhe wahrgenommen. Doch dies darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass den Gästen moderne Technologien und Komfort geboten werden mussten. Daneben gab es in allen Kurorten auch Armen- und Militärbäder. Die heterogene Gesellschaft der Gäste beeinflusste wiederum die sozialen und politischen Verhältnisse in den Kurorten selbst: so fand auch der Antisemitismus in den scheinbar geruhsamen Kurorten seinen Widerhall.
Die Beiträge analysieren die verschiedenen Gruppen von Kurgästen und den Kurbetrieb mit seinen infrastrukturellen, medizinischen und soziokulturellen Facetten und spannen einen Bogen vom 17. Jahrhundert über die „großen Zeit“ der Bäder im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Als Teil des 2021 ausgezeichneten UNESCO Great Spa Towns of Europe‑Welterbes bot Baden bei Wien den idealen Rahmen für das 42. Symposion, das vom 1. bis 3. Juli 2024 vom Stadtarchiv Baden, dem NÖ Institut für Landeskunde und dem Institut für Österreichische Geschichtsforschung der Universität Wien veranstaltet wurde. Der Tagungsschwerpunkt lag auf der Entwicklung europäischer Kurorte in der Neuzeit, ihrer gesellschaftlichen Bedeutung, Infrastruktur und kulturellen Rolle.

Die Ergebnisse dieser Tagung über Kurbäder als Spiegel der Gesellschaft in der Neuzeit werden nun im Rollettmuseum präsentiert. Im Zentrum standen dabei nicht nur medizinische, infrastrukturelle und wirtschaftliche Fragestellungen, sondern vor allem die soziale, kulturelle und politische Dimension der Trink- und Badekur.
Im Austausch mit Wissenschaftlern bestätigte sich der hohe Stellenwert Badens in der Entwicklung der Kurstädte Europas. Dafür stellen die einzigartigen und vielfältigen archivarischen Quellen, die im Stadtarchiv Baden verwahrt werden, eine wichtige Grundlage dar. Dadurch ergeben sich wesentliche Impulse zur weiterführenden Auseinandersetzung: für die Forschung, für die Vernetzung mit anderen Kurorten, für die Identifikation und Ausrichtung der Stadt in der Zukunft.

Erschienen im Rahmen der STUDIEN UND FORSCHUNGEN AUS DEM

NIEDERÖSTERREICHISCHEN INSTITUT FÜR LANDESKUNDE, Band 81

Eine Bestellmöglichkeit und weitere Informationen zum Band: https://www.noe.gv.at/noe/InstitutLandeskunde/Publikationen_InstitutFuerLandeskunde.html

AUSZUG AUS DEM INHALTSVERZEICHNIS:

Das Phänomen Kurort – Eine „zusammengewürfelte Gesellschaft ohne Geselligkeit“.
Eigenräumlichkeit und Eigenzeitlichkeit österreichischer Kurorte als Forschungsfeld
Von Martin Scheutz.

Die mitteleuropäische Bäderlandschaft im langen 19. Jahrhundert –historisch-geographische Beobachtungen
Von Volkmar Eidloth.

Bäder im Vergleich – Vom Armenbad zum Theater am Steg. Ein Badener Schwefelbad im Wandel der Zeit
Von Ulrike Fritsch.

Das Herzogbad unter den Grafen von Lamberg (1680–1716)
Von Nikolaus Wagner.

„Mit armen Kurgästen überfüllt“. Das steirische Tobelbad im 18. und 19. Jahrhundert
Von Elke Hammer-Luza .

Kurbetrieb und Verwaltungspraxis.

Einblicke in die Anfänge der Kurtaxe und Kurkommission in der Kurstadt Baden bei Wien
Von Ulrike Scholda.

Die Bad Homburger Kur- und Fremdenlisten – sozial-, wirtschafts- und kulturgeschichtliche Ansätze, Möglichkeiten und Aspekte einer digitalisierten Quelle
Von Andrea Pühringer.

Digital Humanities und die Kurlistenforschung am Beispiel von Baden bei Wien
Von Burak Demirci.

Jod, Schwefel, Sole oder Molke – was inspirierte Österreichs Kurärzte?
Von Daniela Angetter-Pfeiffer.

Kur als kultureller Raum – Der Arzt als Reiseführer: die Kurresidenzen Baden und Ischl in Handbüchern des 19. Jahrhunderts
Von Harald Tersch.

Vom Kurbad zum Freizeitbad. Die historische Bäderarchitektur Niederösterreichs entlang der Thermenlinie.
Von Sabine Plakolm-Forsthuber.

„aber morgen – da gastier’ ich in Griesshübl-Sauersdorf als Othello!“ – Theater spielen und Theater besuchen in österreichischen Kurorten im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Von Marion Linhardt .

Wellness auf der Leinwand. Die Darstellung von Kuraufenthalten im Spielfilm
Von Hanja Dämon.

Reisende, Bereiste und ihre Verflechtungen – Wenn sie sich geziemend aufführen – Jüdische Kurgäste in Baden bei Wien im 18. Jahrhundert
Von Elisabeth Rosner.

Militär und Kurgebrauch – Die k.(u.)k. Armee und ihre Kuranstalten
Von Willibald Rosner

Der Weg zu Deutschlands größtem Schwefelbad: Kurpolitik der Stadt Baden zwischen 1938 und 1945
Von Dominik Zgierski.

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