Ein Weltbad im Schatten des Hakenkreuzes – Bad Pyrmont 1933–1945

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Wie veränderte der Nationalsozialismus das Leben in einer Stadt, die vom Glanz und der Gastfreundschaft eines „Weltbades“ lebte? Das Museum im Schloss präsentiert eine besondere Sonderausstellung, die erstmals tief in die bisher kaum erforschte NS-Vergangenheit der Kurstadt eintaucht.

Zwischen Kuridylle und politischer Radikalisierung

Die Ausstellung beleuchtet den Weg Bad Pyrmonts durch eine dunkle Epoche. Sie zeigt, wie aus Nachbar:innen politische und ideologische Gegner:innen wurden und wie die Machtübernahme der Nationalsozialist:innen das gesellschaftliche Leben bis in den tiefsten Alltag durchdrang. Dabei geht es nicht nur um die große Politik, sondern vor allem um die Menschen vor Ort: die lokale NS-Elite, die arbeitende Bevölkerung, die Gäste des Weltbades und um jene Menschen, die systematisch ausgegrenzt wurden.

Besonders im Fokus steht das Schicksal der jüdischen Mitbürger:innen und anderer Minderheiten, die aus der ideologisch und rassisch definierten „Volksgemeinschaft“ ausgestoßen wurden.
Zudem wirft die Ausstellung einen Blick auf die Jahre des Krieges, den Einsatz von Zwangsarbeit und die Rolle Bad Pyrmonts als Lazarettstadt.

Belegschaft und Patienten eines Bad Pyrmonter Lazaretts
Belegschaft und Patienten eines Bad Pyrmonter Lazaretts
Foto: Museum im Schloss

Auf „Gedeih und Verderb“ verbunden

Was bedeutete die Diktatur für einen Ort, der vom Tourismus lebte?
Ein Zitat des damaligen Bürgermeisters Zuchold aus dem Jahr 1935 verdeutlicht die Zwickmühle in der man sich befand: Die Stadt sei mit dem Fremdenverkehr „auf Gedeih und Verderb“ verbunden. Damit wurde der Ausschluss großer und vermögender Gästegruppen zu einem nicht nur wirtschaftlichen Problem.
Die Ausstellung untersucht daher die spannende Frage, wie der Badebetrieb, die Gäste und das Image des Kurorts mit der Ideologie der Nationalsozialist:innen verschmolzen – und welche Handlungsspielräume die Bewohner:innen zwischen Anpassung und Widerstand tatsächlich hatten.

Die jüdische Familie De Haas auf der Brunnenstraße
Die jüdische Familie De Haas auf der Brunnenstraße
Foto: Stadtarchiv Bad Pyrmont

Forschung, die weitergeht

Diese Sonderausstellung ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen dem Museum im Schloss und dem Historischen Seminar der Leibniz-Universität Hannover (gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur 2024/25).

Die Ausstellung versteht sich nicht als abgeschlossenes Werk, sondern als lebendiger Einblick in einen fortlaufenden Prozess. Die historischen Erkenntnisse werden stetig erweitert.
Ergänzt wird die Ausstellung durch eindrucksvolle Zeichnungen des Künstlers Malte Wulf, die den historischen Inhalten eine besondere visuelle Ebene verleihen.

Malte Wulf: Boykott jüdischer Geschäfte
Malte Wulf: Boykott jüdischer Geschäfte

Die Ausstellung läuft von November 2025 bis 28. Juni 2026

Ausstellungsorte und Öffnungszeiten

Museum im Schloss (Schloßstraße 13)

· Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr
· barrierefrei

Villa am Palmengarten“ (Schloßstraße 9)

· Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag von 10:30 bis 16:30 Uhr
· nicht barrierefrei – Alle Ausstellungsinhalte aus der „Villa im Palmengarten“ können über ein digitales Angebot im Museum abgerufen werden.

Geöffnet: Zweiter Weihnachtstag, Neujahr, Ostersonntag, Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstsonntag,
Geschlossen: Heiligabend, Erster Weihnachtstag, Silvester, 4. Januar, Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag

Joseph Goebbels am Kurhotel
Joseph Goebbels am Kurhotel
Foto: Stadtarchiv Bad Pyrmont

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